Abschied und Ankunft

Ich bin um 4:10 Uhr wach, mache mich leise zurecht und wandere entspannt zum Flughafen. Das Einstretchen des Koffers läuft bestens, das Einchecken und alle Kontrollen ebenfalls. Das Boarding hingegen…puh. Über eine halbe Stunde später starten wir. Ich habe in Lima nur zwei Stunden – mit auschecken, Koffer einsammeln, raus aus dem Gebäude, rein ins nächste, Koffer aufgeben, einchecken…und davon fehlt nun schon eine halbe Stunde. Irgendwie schaffe ich es dann aber doch, obwohl ich die Drittletzte am Schalter bin. Der Flieger geht aber auch mit Verspätung los.

Ich weiß nicht, wann ich jemals so beengt gesessen habe wie bei AirEuropa. Das ist der absolute Superkrampf. Und das sage ich, nachdem ich im Dschungel und bei Marita gelebt habe und weiß, wie wenig Komfort es gibt. Das hier macht keinen Spaß. Und das Essen, was sie einem reichen, ist auch…äääh…ja, auch nach dem Essen im Dschungel grenzwertig. Da fand ich Juanitas Zapallo-Soße besser – und das will was heißen. Die Frau neben mir ist ganz süß. Eine Peruanerin, die ihren Schwager in Italien besucht. Weil ich richtig müde bin, brauche ich für das Gespräch mehrere Anläufe. Spanisch mit halben Hirn zu verstehen und zu sprechen, ist nicht so einfach. Aber es klappt alles.

In Madrid geht dann alles reibungslos. Es werden Leute herausgewunken, die sofort ihren Pass zeigen müssen. Komischerweise ziehen sie nur nicht-europäisch Aussehende heraus. Willkommen in der EU. Dann gibt es später zwei Schlangen an der Passkontrolle: Eine für EU-Bürger, eine für alle anderen. Eine Frau links von mir fragt mich auf Englisch, wo sich denn zukünftig die Engländer hinstellen müssten? Ich mutmaße, sie müssten in die andere Schlange. Wir plaudern weiter, bis ich sie frage, woher sie sei? Deutschland. Na, dann reden wir doch wieder in unserer Sprache. Nach Monaten mit Spanisch, Deutsch und Englisch, fehlen einem bisweilen ein paar Vokabeln in der eigenen Sprache – lustig, aber wahr. Macht aber nichts. Auch das überwindet man, wenn man Bullet Ants überlebt hat.

Die letzten zwei Stunden von Madrid nach Frankfurt werden einem bei AirEuropa dann richtig versüßt. Es gibt nichts, nada…also Hängen im Schacht. Das nenne ich mal Service. Völlig durstig erreiche ich den Flughafen in Frankfurt. Mein Koffer hat überlebt! In der Tat kommen sowohl Rucksack als auch Koffer so ziemlich als erste Gespäckstücke. Ich verabschiede mich von einem Mädel aus Köln, das ich bereits in Lima kennengelernt habe. Ihren Namen weiß ich nicht. So ist das manchmal. Man läuft nebeneinanderher, quatscht über Gott und die Welt, cremt das Tattoo des anderen ein und klebt es ab…..haaaaaaaalt! Nein, natürlich nicht ich. Das Mädel ist 21. Sie darf so was noch machen. Bei mir wäre das mit 40 vermutlich eher so unter „midlife crisis“ anzusiedeln, wobei ich zugeben muss, dass das Tattoo richtig cool aussah und mich gereizt hätte. 

Und dann steht er auch schon da: Mein Schwager, persönlicher Chaffeur, Organisator, ruhender Fels in jeglicher Brandung, Vertrauter, Freund und geduldiger Gegenpol zu mir – kurzum: Mein bester Schwager. Ich bin Zuhause. Klar, es sind noch einige Kilometer, aber das macht ja nicht Zuhause aus. Zuhause heißt für mich eher die Menschen, die mir nahestehen. Insofern war auch Chaskawasi ein Zuhause. 

Zuhause Zuhause, also in meiner Bude, erwarten mich dann ein Prinzregentenkuchen, Almdudler, holländischer Gouda usw. Alles, was ich wohl mal im Blog erwähnt (weil vermisst) habe, hat mein „kleinster Cousin“ herangeschafft. Da soll man keinen Pipi in den Augen haben dürfen? Eben. 

Ich bin Zuhause. Fühlt es sich verändert an? Nein. Komischerweise so gar nicht. Heimweh kenne ich nicht. Dafür habe ich wohl genug Urvertrauen, denn ich weiß ja, ich kann immer umkehren. Ob ich es weiterempfehlen kann, so eine Reise zu wagen? Ja, in jedem Fall. Angst hatte ich mehr als genug. Sorge, einfach zu versagen…ich dachte kurz vorher sogar, den schlimmsten Fehler meines Lebens zu begehen, weil es einfach das Ungewisse ist, das ich am meisten fürchte. Und wenn man dann springt und spürt, dass das Leben einen trägt, wie sich alles fügt, dann ist das berauschend, erfüllend und auf einmal keine große Sache mehr. Rückblickend ist das viel leichter zu sagen, ich weiß. Aber auch wenn ich schnell wieder an meine alte Umgebung gewöhnt bin, hat sich im Innen doch einiges getan. Die Zufriedenheit ist zurückgekehrt, ich bin wieder mehr bei mir, habe tolle Menschen kennenlernen dürfen und manches sehen und erleben dürfen, was es vorher in meinem Kopf nicht gab. Und dafür bin ich dankbar.

Apropos dankbar: Danke Euch allen für das fleißige Lesen, die Unterstützung, die aufmunternden Worte, das Mitfiebern, Mitlachen und bisweilen auch herzhafte Auslachen (bspw. bei der Flohgeschichte). Bei mancher Grübelei hat mir das sehr geholfen zu wissen, Ihr seid da draußen und glaubt an mich – mehr oder weniger. 😉 Meine Reise ist hier nun zuende… Ich wünsche jedem so tolle Menschen auf ihren Wegen, wie ich sie hatte und habe. Und jetzt? Genieße ich Kuchen und Kaffee…und am Abend einen Cocktail…oder zwei….oder drei….

Ein Kommentar zu „Abschied und Ankunft

  1. Herzlich willkommen zurück und vielen Dank, dass wir durch deinen Blog so nahe an deiner Reise teilhaben durften. Fühle dich umarmt! Liebe Grüße Horst und Alice.

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