Der letzte Tag ist gekommen

Nun ist er da: Der letzte Tag meiner Reise. Ich wache früh auf und habe extreme Atembeschwerden. Naja, ist ja nicht mehr lange. Es liegt natürlich auch an Cusco, aber Marita kümmert sich kein bisschen um den Haushalt. Wirklich alles ist verdreckt und staubig. Hier in Cusco muss man vermutlich häufiger putzen, um dem Staub entgegenzutreten. Sie tut es einfach gar nicht. Das Zimmer, die Bettdecke, überall hängt/liegt Staub. Kein Wunder, dass ich so fertig bin.

Meine Mitbewohnerin ist auch zeitig auf. Ich hole wieder Brötchen, denn Marita kümmert sich ja nicht. Diese Nacht hat sie auch bei Rodrigo verbracht, der ja im selben Haus wohnt. Mir kommt das gelegen, denn ich brauche sie nicht. Gespült hat sie bislang immer noch nicht. Egal, wir haben ja noch Tassen und Teller. Da dies mein letztes Frühstück hier sein wird, ist es mir egal.

Anschließend gehe ich fünf Minuten zum Flughafen und staune mal wieder nicht schlecht, dass wirklich niemand dort Englisch spricht. Ich will fragen, wann ich morgen da sein muss, wenn mein Flieger um 6:50 Uhr losgeht? Um 5:30 Uhr reicht es. Und ich brauche Stretchfolie für meinen Koffer. Der ist so demoliert, dass er die Reise sonst nicht schafft. Dafür muss ich 36 Soles zurückbehalten. Wir gehen ja heute Abend noch essen, daher muss ich dafür auch noch Geld zurückhalten. Bleibt noch etwas…nicht mehr viel, aber ein paar Kröten. Ich müsste nur in die Stadt fahren. Ich kriege meinen Hintern nicht hoch. Die Sonne scheint, alles ist gut, aber ich mag nicht. Ich drücke mich vor dem Abschied. Außerdem muss ich noch packen. Und darauf habe ich noch weniger Lust. Wieso hat niemand auf das Beamen meines Schwagers reagiert? Pfffff.

Ich telefoniere und skype ein wenig, aber es nützt alles nichts. Der Koffer packt sich nicht von allein. Einmal angefangen, geht es dann doch recht zügig. Marita und Rodrigo waren vorhin kurz da und haben gefrühstückt. Doof, naiv, blöd oder was auch immer ich bin, habe ich damit gerechnet, dass sie zügig spülen. Nö. Die Teller, Tassen und eine angeschnittene Avocado haben sie uns aber hinterlassen. Mein Ekel ist nicht mehr steigerungsfähig, was meine Mitbewohnerin immer wieder aufs Neue amüsiert. Wir essen noch eine Kleinigkeit und plaudern etwas. Sie ist auch so völlig anders als ich. Für mich ist es spannend, wie unterschiedlich Menschen und ihre Ansichten sind. Wenn etwas emotional ist, zieht sie es immer ins Lächerliche, was ich schade findet. Sie ist nicht gefühlskalt, sondern einfach gehemmt. Manche Geschichte, die ich so gehört habe – auch von ihr – erklärt einiges. Wir sind alle das Ergebnis unserer Erfahrungen. Aber wir können uns jederzeit entscheiden, wie wir leben wollen. Sie hat sich für den harten Weg entschieden. Ich habe ihr vorhin gesagt, wie schwer es mir falle, ihr was zum Abschied zu wünschen. Sie versteht, was ich meine. Tja…alles nicht so einfach und vor allem nicht immer nur schwarz-weiß.

Luis – der Mann aus Lima, den ich im Mercado kennengelernt habe – schreibt mir hin und wieder. So auch heute Mittag. Da Vatertag ist, feiert er mit seiner ganzen Familie. Und davon schickt er mir ein Foto und wünscht mir eine gute Reise. So was ist einfach lieb. Und so sind die Leute hier. Er meint, ich werde Deutschland bei meiner Rückkehr anders sehen. Keine Ahnung, ob er recht behält. Ich denke, ich gewöhne mich schnell wieder an den Luxus, die Schnelligkeit und den Alltag. Aber ich hoffe, ein Teil dieses Gefühls von hier herüberretten zu können.

Nach ein paar Telefonaten komme ich dann doch noch zu dem Schluss, bereits vor dem Essen in die Stadt zu müssen. Eine letzte Runde durch mein wunderbares Cusco drehen. Ich fahre wieder mit dem Correcamino. Alles fühlt sich komisch an. Ich steige ein letztes Mal in der Nähe des Plaza St. Franzisco aus und gehe zu meinem geliebten Markt – der…geschlossen ist. Hallo? Wir dachten immer, der sei bis 19 Uhr sonntags geöffnet. Ja, Matsch am Paddel. Schade. Allerdings sind davor Stände aufgebaut. Nicht dasselbe, aber auch ganz nett.

Und dann höre ich vertraute Töne: Eine Gruppe Holländer steht an einem Stand. Klar, ich kann es ja nicht lassen, ich muss sie anquatschen. Wie kommt es, dass die Holländer immer megafreundlich und offen sind, wenn man sie trifft? Die können ja nicht alle dauerkiffen, um so drauf zu sein. Ich liebe dieses Völkchen echt.

Mit nun guter Laune schlendere ich weiter, sehe große Kunstskulpturen, die sie an einem Platz ausgestellt haben und staune einmal mehr, dass hier einfach immer was los ist. Auch vom Plaza de armas verabschiede ich mich und schmunzel über offenkundige Neuankömmlinge. Das scheint bei mir schon Ewigkeiten zurückzuliegen.

Das Restaurant – Efrain kommt natürlich peruanisch über eine halbe Stunde zu spät – ist schick. Und das Buffet? Ist herrlich. Er und meine Mitbewohnerin staunen, weil ich beim dritten Mal nicht mehr mit zur Auslage will. Auch zum Nachtisch gehe ich nur einmal und nicht dreimal, wie die beiden. Ich fliege in ein paar Stunden und will das durchaus erleben.

In der Bude zurück stelle ich erstaunt fest, dass gespült wurde. Nicht schlecht nach zweieinhalb Tagen, oder? Gespült…nicht gekehrt oder geputzt… aber immerhin gespült. Dafür ist Marita bereits in ihren Räumlichkeiten verschwunden. Ich kann mich also nicht verabschieden. Es gibt wenig, das mich noch kälter lässt. Nach meiner letzten Dusche in diesen Hallen sinke ich ruhig ins Bett. Morgen fliege ich heim, und das ist vollkommen gut so.

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